Kein Notruf möglich über VoIP? Fakt oder Fake?

 15. Oktober 2019,  Team media.tel

 

Voice-over-IP hat die Telefonie nachhaltig revolutioniert. Teure Gebühren sind Geschichte, Ortsgebundenheit abgeschafft. Doch wo viel Sonne, dort findet sich auch Schatten ... die angenehme Ortsungebundenheit führt häufig dazu, dass VoIP-Nutzer keinem Standort mehr zuordenbar sind. Das ist üblicherweise kein Problem und im Sinne des Schutzes persönlicher Daten oft gewollt. Außer der Nutzer befindet sich in einer Notsituation und wählt eine Notrufnummer.

Warum der Standort eines Anrufers im Notfall wichtig ist?

Der Standort eines Anrufes entscheidet zum einen über die Zuordnung zu einer Notruf-Leitstelle. Naturgemäß ist die ortsnahe Zustellung eines Notrufs von hoher Bedeutung, um die Zeit zu sparen, die bei Weiterverbindung zur passenden Stelle vergehen kann. Zum anderen vergessen viele Notrufer schlichtweg die Angabe ihrer Adresse beim Absetzen des Hilferufs und beenden das Gespräch zu früh, etwa um Erste Hilfe zu leisten. In diesem Fall bleibt der Leitstelle nur die Möglichkeit einen Einsatzwagen an die laut Telefonnummer zuordenbare Adresse zu senden bzw. den Notrufer zurückzurufen. Was uns zu einem entscheidenden weiteren Punkt führt:

Warum vom Telekom-Provider die Telefonnummer des Notrufers an die Notrufzentrale gesendet werden sollte?

In Stresssituationen ist es evident, dass Anrufer hin und wieder vergessen wichtige Informationen zum Zustand des Patienten, etc. weiterzugeben. Leitstellen sind dann in der Situation, dass sie den Anrufer zurückrufen müssen. Dies ist naturgemäß nur möglich, wenn die Nummer des Anrufers mitgesendet wird (auch wenn üblicherweise die Nummer gewollt anonymisiert wird).

Wie VoIP-Anbieter mit diesen Herausforderungen umgehen?

Viele haben die Möglichkeit Notrufe abzusetzen schlichtweg ausgeschlossen. Dies kann aus unserer Sicht nicht im Kundeninteresse sein. Außerdem gilt laut Telekommunikationsgesetz (TKG) folgendes:

"§ 20. (1) Betreiber eines öffentlichen Telefonnetzes oder Betreiber, die einen Kommunikationsdienst für das Führen ausgehender Anrufe zu Rufnummern des österreichischen Rufnummernplans bereitstellen, haben die Herstellung der Verbindung zu allen Notrufnummern.... zu gewährleisten."

Text zu finden auf: https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20002849&FassungVom=2019-04-26&Artikel=&Paragraf=20&Anlage=&Uebergangsrecht=

Mit media.tel auch im Notfall gerüstet

Dieser Vorgabe leisten wir Folge. Somit gilt für unsere Kunden:

Jeder media.tel VoIP-Kunde kann Notrufe absetzen

Egal ob an die europäische oder nationale Notrufnummern. Egal zu welcher Zeit und von welchem Ort.

Bei media.tel VoIP-Kunden wird die Telefonnummer im Notfall mitgesendet

Auch wenn Ihr Unternehmen entschieden hat, dass ausgehende Anrufe anonymisiert werden (=Rufnummer wird dem Empfänger nicht angezeigt) - im Falle des Anrufs von Notrufnummern entfällt diese Regel und Ihre Nummer scheint bei der Notrufzentrale auf.

Funktioniert ein Notruf auch aus sogenannten "privaten Netzen" (05-Nummern)?

Ja, jede Notrufnummer kann auch aus privaten Netzen angerufen werden. In Bezug auf die Standortinformationen und Rufnummer des Anrufers gilt folgendes: Unternehmen mit mehreren Standorten verwenden häufig ortsübergreifend eine gemeinsame 05-Nummer. Wird nun ein Notruf aus einer Filiale abgesetzt, ist es unsere Aufgabe als VoIP-Provider die Durchwahl-Nummern, die laut Wählplan einer Filiale zuzuordnen sind, auch so zu kennzeichnen. Konkret bedeutet dies, dass eine Festnetznummer für jede Filiale registriert wird, die die korrekten Adressdaten kennt.

Beispiel: Die Salzburger Niederlassung eines Unternehmens erhält die Durchwahlen im Nummernbereich 300-400. Die Telefonanlage wird entsprechend konfiguriert. Eine Festnetznummer für Salzburg wird registriert (mit Hinterlegung der Salzburger Adresse) und den Nummern 05xx-xxx300 bis 05xx-xxx400 zugewiesen. Ruft nun die Durchwahl 05xx-xxx350 eine Notrufnummer an, so wird eine Salzburger Notrufzentrale kontaktiert und die Salzburger Adresse mitgesendet.

Funktioniert ein Notruf auch aus meinem Homeoffice?

Ja, jede Notrufnummer kann auch aus Ihrem Homeoffice angerufen werden. Um in diesem Fall die korrekte Adresse sowie Rückrufnummer angeben zu können, bedarf es folgender Voraussetzungen:

  1. Wir als VoIP-Provider registrieren eine Festnetznummer für Ihre Adresse.
  2. Ihre Telefondurchwahl wird lt. Wählplan dieser Festnetznummer zugeordnet.

Dies macht nur Sinn, wenn Ihr Homeoffice ein permanenter Standort ist und Ihr Unternehmen die Mehrkosten für die Registrierung einer Festnetznummer an Ihrem Standort trägt.

Wir raten im Homeoffice grundsätzlich dazu, das hauseigene Telefon oder private Mobiltelefon (GPS-Signal verrät der Leitstelle Ihren Standort) im Zweifelsfall für den Notruf zu nutzen.

Funktioniert ein Notruf auch bei nomadischer Nutzung?

Sind Sie ein Road Warrior? Auch bei ständigem Ortswechsel, sprich nomadischer Nutzung Ihrer VoIP-Endgeräte (Softphone, Tischtelefon, Desktop-Client, ...), schränken wir den Anruf zu Notrufnummern nicht ein. Doch ist in diesem Fall die Zuordnung zu einem Standort - mit dem aktuellen Stand der Technik - nicht mehr möglich. Deshalb haben wir uns entschieden, in diesen Fällen den Standort Ihres Unternehmens sowie dessen Rufnummer mitzusenden.

Sollten Sie Ihr VoIP-Endgerät also für einen Notruf nutzen, so ist die mündliche Angabe Ihres Standortes sowie die Angabe einer Rückrufnummer unablässig. Wir raten bei nomadischer Nutzung grundsätzlich dazu, ein "ortsansässiges" Telefon bzw. ein Mobiltelefon (GPS-Signal verrät der Leitstelle Ihren Standort) für den Notruf zu nutzen.

Sie haben Fragen zu diesem Thema oder Erfahrungen? Melden Sie sich gerne jederzeit im media.tel Büro Wien oder Tirol.